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KALENDER

Kunstworkshop “die Drei” 08.06.2019, 16.30 -18.30h

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DauerAusstellung Simplicissimus-Haus, Renchen Trutz Simplex

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Katalog/Vorzugsausgabe zur Bestellung

 

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Gerda Förster 14.12.1920 – 18.01.2015

Gerda Förster 14.12.1920 – 18.01.2015

Foto folgt!

In Gedanken an Tante Gerda

Sie hat den Tod als junge unverheiratete Frau erlebt und ihn Jahrzehnte stumm mit sich getragen. Als sie mir aus ihrem Leben erzählte, verstand ich ihre innere Größe, ihre Liebe zu allen Kindern. Sie hatte mindestens 14 Patenkinder. Mich hatte sie als erwachsene Frau adoptiert . Mit ihr konnte mein Leben in der Kunstmühle Wurzeln schlagen, ohne dass ich mich verbiegen musste. Von Anfang an war mir, als sähe ihr Blick das, was ich verbergen wollte. Ihren durchdringenden hellen Augen konnte ich nichts vormachen, sie schauten bis zuletzt ohne Brille. Sie brachte uns das Sensen, Heu wenden, die wunderschönen Obsternten auf dem Thie , das Schweinschlachten, die ungeschriebenen Regeln im Dorfleben bei und auf welche Weise mit Herzenswärme Samenkörner aufgehen können. Meinem 1. Sohn hat sie die natürliche Liebe zu den Tieren vermittelt. Ziegen, Hühner, Tauben, Karnikel , Paola, das Pony wurden ihm vertraut und das Ausruhen auf dem Sofa, was es zu Hause nicht gab. Sie war diejenige, die meinen jüngeren Sohn vom ersten Lebenstag an beruhigen konnte. Sie konnte sich in ihn hinein fühlen, wie niemand anders, ihr schenkte er bedingungsloses Vertrauen. Sie liebte ihn, wie er war. Immer, wenn ich allzu erschöpft vom Tagesgeschehen keine perfekte Mutter mehr sein konnte, wusste ich beide Jungs in ihrer fürsorglichen Obhut. Wurstbrote, saure Gurken, Nudeln und süße Jägerschnitte in der guten Stube, Onkel Manfred mit Tante Karin und Hund Flocki mittendrin. Später gab es das heimlich zugesteckte Taschengeld. Als die Jungs größer wurden, wandte sich ihr Leben mehr und mehr nach innen. Sie blieb bis zum letzten Tag eine kultivierte Dame, gepflegt mit ihrem feinen, weißen hochgestecktem Haarzöpfchen und las Bücher. Bücher, in denen sie sich wiederfand, familiäre Verflechtungen, die ihr eigenes Leben spiegelten. Mit Büchern und Gebeten vergaß sie, sich allein zu fühlen. Es folgten viele weinende Jahre bis sie sich traute, sich nicht mehr selbst zu verachten und Frieden mit denen schloss, die nicht lernen konnten, ihr die ersehnte Wertschätzung zu zeigen.
Mit großem Respekt erinnere ich Tante Gerda, als eine weise Frau, die beinah ein Jahrhundert würdevoll und gesund in Selbsterkenntnis überwunden hat. Zuletzt sagte sie mir: Die Ängste, die ich hatte, waren Irrtümer, allein die Liebe ist wahr und ist immer da.“
Ich male dankbar einen dicken gelben Singvogel, einen „Harzer Roller“ auf die Leinwand ihres Herzens.