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KALENDER

Kunstworkshop “die Drei” 08.06.2019, 16.30 -18.30h

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DauerAusstellung Simplicissimus-Haus, Renchen Trutz Simplex

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Katalog/Vorzugsausgabe zur Bestellung

 

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Raffael und Margarita

Raffael und Margarita I, 2008, Öl/Lwd., 240 x 250 cmRaffael und Margarita, 2008, Öl/Lwd., 240 x 150 cm

Über die Entwicklung begriffgeschichtlicher Einsichten am Beispiel der künstlerischen Interpretation der “Hl. Margarete” von Tizian und Raffael durch Edda Grossman in sieben Punkten

1. Kunstwerke aus den vergangenen Jahrhunderten dokumentieren den dominierenden Geist der Zeit und vermitteln, welche Themen in der zeitgenössischen Auseinandersetzung herrschten und wie sie beurteilt wurden.

2. Das an diesem Werk von Edda Grossman zu Grunde liegende Thema ist eine Neuinterpretation der Hl. Margarete von Tizian und Raffael. Die Ikonographie bezieht sich im Kern auf ein Urteil dessen, was paradigmatisch das Heilige an der Margarete ist.

3. Der Legende nach versagte sich Margarete den maskulinen Nachstellungen des Präfekten Olybrius, worauf sie in Kerkerhaft gefoltert wurde und schließlich 307 nach Christus enthauptet wurde. Im Kerker soll ihr der Teufel in Form eines Drachen erschienen sein, dessen Bösartigkeit sie kraft ihres christlichen Glaubens und ihrer Liebe besiegen konnte. Am Kreuzgang betete sie für alle Gedemütigten, die ihr Schicksal teilten.

4. In der Darstellung von Tizian und Raffael hält Margarete in der linken Hand nur leicht das Stabkreuz und berührt fast zärtlich mit der rechten Hand das Ende des Drachenschwanzes. Ihr Blick zum Kopf des Drachen ist anmutig und befriedet. Das paradigmatisch Heilige ist also: die Sanftheit und Zärtlichkeit des Umgangs mit dem Bösen.

Raffael und Margarita II, 2007, Öl/Lwd., 200 x 150 cm5. In der Neuschaffung der Hl. Margarete von Edda Grossman bleiben Haltung und Mimik der Hl. Margarete bestehen; der Drachenkopf hingegen stellt nun Mann und Frau dar. Das Symbol des Drachen als das Böse wird nun identifiziert mit der Geschlechtlichkeit des Menschen. Da Margarete selbst geschlechtlich ist, steht sie nun in Identifizierung mit dem Symbol des Bösen zu sich selbst.

6. Die ikonographische Darstellung des Heiligen als ein internes Verhältnis zwischen der Hl. Margarete zu ihrer Geschlechtlichkeit bzw. zu der Natur stellt einen Sprung zu einer neuen Beurteilung dar, was das Heilige für das Selbstverständnis des Menschen bedeutet.

7. Die einst außen stehende Macht des Heiligen kehrt nun in das Selbstverhältnis des Menschen zurück und dokumentiert die Immanenz des Heiligen im Menschen selbst.

O.K.-W.