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KALENDER

Kunstworkshop “die Drei” 08.06.2019, 16.30 -18.30h

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DauerAusstellung Simplicissimus-Haus, Renchen Trutz Simplex

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Katalog/Vorzugsausgabe zur Bestellung

 

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Roter Orpheus

Zwiegespräch zwischen dem Musikwissenschaftler Elmar Budde alias „Orpheus“ und der Malerin Edda Grossman alias „Orphea“ am 28.10.2011

Roter Orpheus, 2011, Öl/Lwd., 80 x 200 cm, Besitz: Kreismusikschule Wernigerodeule Orpheus ist jener göttliche Sänger der griechischen Mythologie, der durch die Zauberkraft seines Gesanges und seines Saitenspiels die wilden Tiere zu zähmen und selbst die unbelebte Natur (z. B. die Steine und die Felsen) zu bewegen und zu rühren vermochte. Seine Mutter soll die Muse Kalliope, d. h. die Muse mit der schönen Stimme, gewesen sein. Nach einer anderen Überlieferung gilt der Lyra und Kithara spielende Gott Apollo als sein Vater. Beide Überlieferungen haben eines gemeinsam,sie verweisen auf den göttlichen Ursprung der Musik, sei es als Gesang, sei es als Instrumentalspiel. In der abendländischen Musikgeschichte tritt Orpheus als Figur zum ersten Mal in der italienischen Oper des frühen 17. Jahrhundert in Erscheinung (Peri, Caccini, Monteverdi). Von Anfang an wird Orpheus als der göttlich inspirierte Künstler gedeutet, der die Menschen mit seiner Stimme und seinem Instrumentalspiel in den Bann zieht. Aber auch die dunkle Seite des Künstlers ist ein Wesenszug des Orpheus. Durch seinen Gesang, so der Mythos, versuchte Orpheus seine gestorbene Gattin Eurydike aus der Unterwelt, dem Hades, zurückzugewinnen. Da er  gegen das Verbot des Unterweltgottes Pluto, beim Weg in die Oberwelt sich nicht nach seiner Eurydike umzuschauen, verstoßen hat, verlor er seine Eurydike für immer. Aus der abgrundtiefen Ausweglosigkeit seiner Trauer befreit ihn schließlich, so in der Oper “Orfeo” von Monteverdi, sein Göttervater Apollo, indem er ihn wieder auf seinen Gesang und sein Kitharaspiel verweist. Es ist also die Musik, in der Orpheus sich selbst wiederfindet. In der griechischen Mythologie hingegen wird Orpheus, der klagend Thrakien durchirrt, von den eifersüchtigen Thrakerinnen verfolgt und schließlich zerrissen; sein Kopf und seine Kithara werden ins Meer geworfen. Doch der Schatten Orpheus, d. h. seine Seele, kehrt, so Ovid in seinen Metamorphosen, in die Unterwelt zurück, wo er seine Eurydike für immer wieder- findet. Es ist nicht zu verwundern, dass mit der Entstehung der Oper im frühen 17. Jahrhundert Orpheus auch seinen Einzug in die Malerei hält. Bereits die Maler der Barockzeit versuchen Orpheus  Klänge in Farben umzusetzen, d. h. Orpheus Klänge verwandeln sich in die Farben der Bilder.

Was bedeutet Orpheus uns heute?

Orpheus steht für das  Kind in mir. Ich als Kind will „Haben“ und „Spielen“ mit dem Objekt meiner Freude. Mein Spielen beginnt in einer heilen Welt, die aus den Fugen gerät, wenn mir ein heißbegehrtes Objekt verwehrt oder genommen wird. Mein Kind, durch den schmerzhaften Verlust aus der Ordnung gerissen, befindet sich in einer unüberschaubaren  inneren Gefühlswelt, der ich die dominante Farbe Rot gebe. Die Außenwelt hat für mein verletztes Kind kein Gesicht. Doch plötzlich erfährt es den Irrtum zu glauben, es sei allein mit dem Schmerz auf dieser Welt. Fortan zeigt sich das Kind maskiert. Die Bedeutung der weißen Maske ist vielschichtig. Zum einen wirkt sie entpersonifizierend, zum anderen versteckt Orpheus, selbst zum Objekt der Begierde der Thrakerinnen geworden, seine Schönheit  hinter der Maske.  Unter ihrem Schutz verbirgt Orpheus  gleichzeitig das dunkle Ich des Kindes, das den Blick ins Helle wagt. Ohne sein Angesicht zu offenbaren,  lässt er als maskiertes Kind seine Gefühlswelt frei  erklingen,  schafft damit innere Ordnung und Harmonie. Die Maske erhellt seine einsam empfundene Suche nach der verlorenen Liebe. Eurydike sinnbildlich endlich wieder zu begegnen. Maskiert und spielend findet das Kind Zugang  zum Wesen der Liebe. Im Bild des maskierten Orpheus, der seine Kithara spielt, ist die heilsame Wirkung des Musikmachens dargestellt. Die Klänge der Musik beschwören die Liebe zu Eurydike, die sich in dem klingenden Resonanzraum des jeweiligen Musikinstrumentes verkörpert.
Das Erschaffen und Hören von Musik macht also die Begegnung mit Eurydike möglich, die als „ständiger Besitz“ allerdings niemandem zur Verfügung steht.
Frage ist, wer die Maske erfunden hat, wie viele Arten und  welche Formen von  Masken es gibt?
„Orphea“, die leibeigene Dichterin der Malerin Edda Grossman freut sich über  Antwortorphea@edda-grossman.de